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Ruhelose Beine - das Restless Legs-Syndrom

Immer dann, wenn sich die betroffenen Patienten entspannen wollen, wie kurz vor dem Einschlafen werden sie durch unruhige und "kribbelnde" Beine erheblich gestört - an Schlaf ist da oft nicht zu denken.

Es geht um eine der häufigsten neurologischen Krankheiten in Deutschland. Fast zehn Prozent der Menschen in unserem Land sind betroffen, so viele wie Migränepatienten. Sie alle leiden unter bestimmten, immer wiederkehrenden Beinbeschwerden. Vielleicht gehören Sie oder nahe Verwandte, Freunde, Kollegen oder Ihr Arzt auch dazu.
Im letzteren Fall hat der betroffene Patient "Glück", weil er von jemandem angehört und untersucht wird, der das Krankheitsbild einordnen und behandeln kann. Denn es ist zwar sehr häufig doch oft falsch oder unvollständig erkannt und nicht ausreichend oder gar nicht behandelt.

Die wichtigsten Symptome

  • Kribbeln, Ziehen und Brennen in den Beinen, besonders kurz nach dem Hinlegen, am Tage oder in der Nacht. Es tritt aber auch im Sitzen oder Stehen tagsüber auf.
  • Zucken der Beine alle 10-15 Sekunden kurze Zeit nach dem Hinlegen.
  • Symptome dieser Art aber auch in zunehmendem Maße immer dann, wenn man zur Ruhe kommt, also auch im Theater, Kino, Restaurant, beim Zugfahren, Autofahren, etc.
  • Besserung tritt regelmäßig immer dann ein, wenn die betreffende Person aufsteht und sich bewegt. Selbsthilfe durch Fahrradfahren, kalte Duschen, Massagen der Beine sind typisch und hinweisend auf die Erkrankung.

Es handelt sich um das Krankheitsbild Restless-legs-Syndrom, RLS, zu deutsch:
Restless (englisch) = unruhig
Legs (englisch) = Beine
Syndrom (griechisch) = Summe mehrerer Symptome

Viele Menschen fühlen sich missverstanden und leiden doppelt. Einmal an der extrem belastenden Leidenssituation und zum anderen, weil sie sich nicht ernst genommen fühlen. Das Restless-legs-Syndrom ist unter den zu spät und zu selten erkannten Krankheiten die am meisten verbreitete. Knapp Acht Millionen Deutsche leiden darunter.

Depressionen, frühzeitiger Ruhestand und Isolation von Familie und Freunden können die Folge sein. In vielen Fällen kommen Suizidgedanken auf. 60% der Betroffenen sind Frauen. Schwere und Häufigkeit Krankheit nehmen mit dem Lebensalter zu. Durch verbesserte Diagnostik und besseren Bekanntheitsgrad des Leidens kann die Zahl der Erkannten Kranken noch ansteigen

Häufige Fehldiagnosen

  • Polyneuropathie
  • Diabetes-mellitus-Neuropathie
  • Depression (das ist erst eine mögliche Spät-Folge)
  • Psychosomatische Störungen
  • Morbus Parkinson
  • Venenerkrankung der Beine (oft auch mit Brennen und Kribbeln verbunden, wird auch nach Bewegung besser)
    Borreliose (auch häufig nicht erkannt)

Allerdings können natürlich diese Erscheinungen zusätzlich auftreten. Die eigentliche Krankheit dahinter wird aber immer noch zu oft erst spät entdeckt. Das kann oft mehrere Jahre dauern. Viele Menschen trauen sich erst gar nicht, über die recht „eigenartigen“ Symptome zu sprechen, erstens, weil sie meist von allein durch Bewegung vergehen (wenn sie auch in der anschließenden Ruhe sofort wieder auftreten), zweitens, weil sie anfangs überhaupt nicht krank wirken.
Der Behandlungsversuch mit einem Medikament namens Dopamin (einem Botenstoff im Nervensystem) ist letztlich beweisend. Dies ist ein einfacher Test. Man muß aber erst einmal darauf kommen.
Merke: Bereits nach einer einmaligen Einnahme von L-Dopa (anderer Name für Dopamin) sollten die Symptome deutlich besser sein. Die Medikamente, die helfen, heißen auch dopaminerg, d.h. sie unterstützen das Dopamin-System des Körpers.
Es sind dieselben Medikamente, die auch bei Morbus Parkinson (die sogenannte Schüttellähmung) helfen.
Merke: M. Parkinson und RLS haben aber nach heutigen Erkenntnissen nichts miteinander zu tun.

Liste aller Kriterien für die Diagnose RLS

  • Bewegungsdrang bei Brennen, Kribbeln, Ziehen und/oder Schmerzen in den Beinen, unten beginnend, mit der Zeit noch oben wandernd und das ganze Bein erfassend, meist beidseitig, wenn auch nicht vollständig symmetrisch (selten auch in den Armen)
  • Motorische Unruhe, Muskelzuckungen und abnormale spontane Bewegungsmuster der Beine (selten betrifft es die Arme)
  • Unwillkürliche Beinbewegungen im Schlaf- oder Wachzustand
  • Symptome immer in Ruhe, meist sofortige Besserung durch Bewegung, die im weiteren Verlauf immer intensiver und länger werden muss, um beschwerdefrei für ein immer kürzeres Intervall zu sein
  • Zunahme der Symptome besonders abends und nachts, mit fortschreitender Erkrankung auch am Tage, immer dann, wenn die Person zur Ruhe kommt (Sitzen oder Stehen), nach vorheriger Bewegung
  • Tagesmüdigkeit mit Aggressionsneigung, Verlangsamung, Konzentrationsstörungen, Erschöpfung und Vergesslichkeit wegen des dauernd unterbrochenen Schlafes als sekundäre Krankheitszeichen
  • Schlafstörungen (auch dann, wenn die Symptome mal nicht auftreten sollten)
  • Herzrythmusstörungen
  • Zunahme des Krankheitsbildes meist nicht kontinuierlich sondern mit wechselnder Intensität der Symptome
  • Nur selten spontane Besserungen
  • In 40% vererbt (sogenannter autosomal-dominanter Erbgang), kommt also in manchen Familien gehäuft vorm – primäre Form
  • Der neurologische Untersuchungsbefund ist normal
  • Ansprechen der Beschwerden auf L-Dopa (Test und Behandlung)

Die Krankheit ist nur zum Teil erforscht. Untersuchungen mit modernen bildgebenden Verfahren weisen auf Störungen im Thalamus (Hirnbereich) und bestimmten Nervenbahnen zwischen Hirn und Rückenmark hin.
Das dopaminerge System, kontrolliert durch den Botenstoff Dopamin, ist gestört. Bestimmte, dazu gehörende Rezeptoren im Rückenmark weisen eine veränderte Aktivität auf. Das neurologische System registriert diese Störungen nicht und es baut sich eine Erregung auf, die nicht kompensiert werden kann oder es überreagiert mit der Folge der oben beschriebenen Symptome.

Zur Zeit werden zwei Formen mit derselben Symptomatik unterschieden:

  • Die primäre Form wird vererbt (in 40% der Fälle)
  • sekundäre Form 60%, hervorgerufen durch andere Erkrankungen mit einer genetischen Disposition von 20%.
Auslöser der sekundären Form
  • Eisenmangel
  • Hormonelle Störungen
  • Schilddrüsenfunktionsstörungen
  • Rheumatische Krankheiten
  • Schwere Nierenschwäche mit beginnender Blutvergiftung
  • Schwangerschaft (letztes Drittel)

 

Dr Rubens Pitliuk

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